Quartalslied

EG 70 "Wie schön leuchtet der Morgenstern"

Epiphanias bedeutet die Erscheinung Gottes bei den Menschen und ist das Erscheinungsfest, das kleine, aber feine und – in Köln besonders – vorrangig den Drei Königen zugeordnete Kirchenfest. Die im Kirchenjahr oft übersehene Zeit, in die auch die Darstellung Jesu im Tempel fällt, nach Lk 2 die Beschneidung Jesu, hat uns viele schöne Lieder beschert. Der Morgenstern, das Kind Gottes in der Welt ist aufgedrungen. Klein und arm und in allem menschlich empfindend, in einer Krippe liegend, hat uns Gott seinen Sohn in die Welt gebracht. Zu uns – zu dir, zu Ihnen und mir! Sohn Jakobs, aus Davids Stamm, das hören wir oft in den Weihnachtstagen. Die Sprache des Liedes ist barock, der Inhalt voll aktuell. Jesus, ein beschnittener und vom König David abstammender Mensch jüdischer Herkunft – wie kämen wir denn dazu, keinen Dialog mit jüdischen und auch muslimischen Menschen zu pflegen?!

Welche abstrusen Menschenfeinde bestimmter politischer Richtung wollen uns einreden, wir müssten uns gegen Fremde und fremdartige und anders aussehende und glaubende Menschen abschotten, in der Stadt Colonia Agippina, deren erste Bürger Römer aus dem ganzen Reich waren: von Ubiern bis Nubiern und Menschen, die wir aus heutiger Sicht als Briten, Griechen und Türken bezeichnen, und hier sollen Fremde nicht willkommen sein?

4. Von Gott kommt mir ein Freudenschein, wenn du mich mit den Augen dein gar freundlich tust anblicken. Herr Jesu, du mein trautes Gut, dein Wort, dein Geist, dein Leib und Blut mich innerlich erquicken. Nimm mich freundlich in dein Arme und erbarme dich in Gnaden; auf dein Wort komm ich geladen.

Gott vermittelt unter den Menschen durch seinen Geist eine Möglichkeit zu friedlichem Umgehen miteinander. Philipp Nicolai (1556-1608), lutherischer Theologe aus Hessen, den es in seinem Leben nordwärts brachte nach Unna und Hamburg und der auch eine Zeit lang in der protestantischen Untergrundgemeinde Kölns wirkte, ist Verfasser sowohl des Textes als auch der Melodie.
Er schuf ein Brautlied in der Sprache mystischer Frömmigkeit voller intimer Formulierungen nach dem Vorbild des Hohenlieds Salomos, in dem die strahlende Anwesenheit Jesu beschrieben wird ohne eine Metapher von Gewalt und Herrschaft (im Gegensatz zur Mehrzahl unserer Lieder). Die Bilder sind körperlich, vom Herzen ist die Rede, vom Leib, umschließenden Armen, von Zweig und Stamm, Honig, Milch, Blümlein – Manna, das wir essen! Es ist, als ob der Text sich mit aller Kraft gegen eine Dogmatisierung des Glaubens stemmt, mit der immer und immer wieder das Leben der Menschen instrumentalisiert wurde für die Macht der Wenigen. Nicolai, ein unerbittlicher Verteidiger des Luthertums gegen die katholische und die calvinistische Kirche, scheint zu wissen, wie er die Vergiftung seines Lebens mit der Sprache der Macht aussperren kann; er benutzt das Bild des Morgensterns nicht als Scheinwerfer zum Aufspüren von Fehlern und Unreinheiten. Sinn sieht er nur in Sinnlichkeit. „Zwingt die Saiten in Cythara/ und lasst die süße Musika/ ganz freudenreich erschallen!“

Die 6. Strophe zieht die Konsequenz aus solchem Sinnesrausch. Und (nicht nur) J.S. Bach hat der Aufforderung Folge geleistet u.a. mit dem Choralsatz aus der Adventskantate „Schwingt freudig euch empor“, dessen Beliebtheit ihn bis ins Gesangbuch befördert hat. Das Lied endet mit der Freude auf die letzte, endzeitliche
Vollendung: Amen, Amen,/ komm du schöne Freudenkrone,/ bleibt nicht lange,/ deiner wart ich mit Verlangen.

Die Vorfreude auf die Vollendung ist Teil der Freude am Beginn – und so hören wir diese Verse bereits zum Beginn des Kirchenjahres, am 3.12. gesungen von unserem Kinderchor in einer anderen Adventskantate, „Nun komm der Heiden Heiland“. Hier setzt Bach nur die zweite Hälfte (den sog. Abgesang) des melodisch so besonderen Liedes an den Schluss seiner Komposition. Der König der Ehren zieht unter Palmen in Jerusalem ein, um mit seiner Passion und seinem Tod und seiner österlichen Auferstehung die Zukunft zu bieten. Die Zukunft im Glauben an diesen Gott, der sich klein macht, um Dich und mich ernst- und anzunehmen. Singt diesem Gott – und lobet seinen Namen!

Ulrich Bauer und Samuel Dobernecker

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