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Kirchenmusik - der Herzschlag der Reformation
Auf dem Weg zum 500. Reformationsjubiläum steht das Jahr 2012 unter dem Thema „Reformation und Kirchenmusik“. Der Reformator Martin Luther war nicht nur ein Liebhaber der Musik, der sagen konnte: „Es fließt mir das Herz über vor Dankbarkeit gegen die Musik, die mich so oft erquickt und aus größten Nöten errettet hat.“ Für ihn war die Musik ein entscheidendes Medium für die Verkündigung des Evangeliums. Welchen Stellenwert hat die Kirchenmusik für uns?
Das Titelbild zeigt Martin Luther mit Kopfhörer: eine originelle Verknüpfung von Reformation und Musik. Aber zugleich auch eine missverständliche Verknüpfung. Denn der Reformator ließ nicht singen, er sang selbst. Der Kirchenmusikwissenschaftler Dr. Stephan Goldschmidt erinnert daran: „Luther war aus seiner Zeit als Mönch das Singen der Psalmen vertraut. Wir dürfen zu Recht vermuten, dass ihm dieses Singen vielfach geholfen hat, seine Anfechtungen zu überwinden, die ihn während seiner Klosterzeit immer wieder heimsuchten. Darum werden ihm die Psalmen so besonders am Herzen gelegen haben. In seine frühe Zeit als Professor für Bibelwissenschaften fallen zwei ausführliche Vorlesungszyklen mit der Auslegung der Psalmen die für Luther immer Lieder waren.
Ein wichtiger Meilenstein für das reformatorische Verständnis von Musik ist die Entdeckung des Kirchenliedes. Es ist auch unter kirchenmusikalisch Interessierten häufig nicht bekannt, dass es der Reformator selbst war, der als Entdecker des Kirchenliedes bezeichnet werden kann. Luther ist der erste bedeutende Dichter und Komponist von Kirchen-liedern. Für Luther waren die Kirchenlieder gesungenes Evangelium, Muttersprache des Glaubens. Vermutlich hätte die Reformation ohne ihre Lieder einen ganz anderen Verlauf genommen.
Das älteste Kirchenlied stammt aus dem Jahre 1523: „Nun freut euch, lieben Christen g´mein“. In diesem Jahr hatte Luther die Kraft geistlicher Lieder erkannt, in denen tiefe Glaubenswahrheiten zum Ausdruck gebracht werden konnten. Wenn die Texte einprägsam gedichtet und ihre Melodien eingängig waren, konnten sie die Grundanliegen der Reformation in einer Zeit verbreiten, in der die Mehrheit der deutschen Bevölkerung noch nicht lesen und schreiben konnte. Luther hatte diese Kraft der geistlichen Lieder gerade erst in der Reaktion auf ein Trostlied erfahren, das er gedichtet hatte, nachdem zwei seiner Anhänger in Brüssel als angebliche Ketzer hingerichtet worden waren. Als Protest gegen diese Ketzerverbrennung hatte Luther ein Lied als Flugblatt verbreiten lassen. Bald war es von Mund zu Mund weitergetragen und an zahlreichen Orten gesungen worden.
Kaum war Luther die Bedeutung des geistlichen Liedes aufgegangen, begann er in großem Stil, Kirchenlieder zu dichten. 1524 wurde ein erstes evangelisches Gesangbuch herausgegeben, dem bald neue folgten. Luther wollte dadurch den Menschen das Evangelium nahebringen. Händeringend suchte er nach Dichtern für neue Lieder. Doch in der Anfangszeit der Reformation blieb er selbst der wichtigste Verfasser, der die Mehrzahl der Lieder in den verschiedenen evangelischen Gesangbüchern komponierte und dichtete.
Kirchenmusik oder Musik in der Kirche?
Kirchenmusik, das ist mehr als geistliche Orgelmusik, gregorianischer Gesang, Matthäuspassion oder Bachkantate, Choralgesang aus dem Gesangbuch oder die liturgischen Gesänge während des Gottesdienstes. Kirchenmusik, das ist einerseits „musica sacra“ und „geistliche Musik“, aber eben nicht nur. Kirchenmusik ist eben auch singende und klingende Gemeinde, das ist Musik in der Kirche, wenn sie dem Evangelium dient, nicht nur (im Gesang) die Lunge frei macht, sondern die Seele, wenn sie Beziehungen und Gemeinschaft fördert. Das sind Chöre, Musikgruppen, Bands oder Gruppen, die singen, wenn sie zusammen kommen. Das ist ein Stück zu bewahrendes Kulturgut und ein vertrauter Schatz an Liedern genauso wie das „neue geistliche Lied“, wobei die „Neuen“ für manche schon museale Klassiker sind wie „Danke für diesen guten Morgen“ oder „Komm, Herr, segne uns“. Kirchenmusik ist immer auch Experiment und Versuch, manchmal Wagnis, neue und neueste Musik, ist die Lust, in ökumenischer Weite und Weise Melodien und Rhythmen anderer Kirchen und Völker kennen zu lernen.
Das Jahr der Kirchenmusik - es lädt uns ein, Vielfalt zu entdecken und auszuprobieren, in Gottesdiensten und Konzerten, Gruppen und Kreisen. Es lädt uns ein, unseren Glauben zum Klingen zu bringen, in uns hinein und über uns hinaus zu sehen, die Passion Jesu und das neue Leben in ihm erfahrbar zu machen mit allen Sinnen, es lädt uns ein, Gott und das geschenkte Leben zu loben.
Gerhard Johenneken, Zollstock
Der Artikel aus der Zollstocker Gemeindezeitung „Informationen, Heft 1, März 2012 - Juni 2012“
wurde uns dankenswerterweise von Pfarrer Johenneken für diese Ausgabe der „kontakte“ zur
Verfügung gestellt.
Dienstjubiläum von Pfarrer Johenneken
Pfarrer Gerhard Johenneken ist seit 1987 Gemeindepfarrer in der Nachbargemeinde Köln-Zollstock. Er wird am 13. Mai sein 25-jähriges Dienstjubiläum feiern. Wir verbinden mit ihm eine verlässliche, herzliche und kreative Zusammenarbeit im Kollegenkreis.Dienstjubiläum von
Wir gratulieren ihm als Presbyterium und als Kollegen der Nachbargemeinde herzlich! Wir freuen uns mit ihm und wünschen ihm für die Zukunft weiterhin Gottes Segen für seinen Dienst, Freude an der Verkündigung, Neugier, Sprachwitz und Lust auf neue Entwicklungen in seiner Gemeinde und im nachbarschaftlichen Miteinander. Bernhard Seiger
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