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Quartalslied

Ich will, solange ich lebe
EG 276

Das Lied gehört zur Trinitatiszeit, die eine Lobeszeit bedeutet. Trinitatis ist der erste Sonntag nach Pfingsten und die Trinitatiszeit dauert bis zum Advent. Es ist die grüne Zeit, denn die Paramente an Altar und Kanzel sind in dieser Kirchenfarbe. Dieses Jahr fängt der Juni mit dem 1. Sonntag nach Trinitatis an. Wichtige Sonn- tage wie auch Gedenktage innerhalb dieser Wochen liegen hier. Da wären beispielsweise der Gedenktag der Augsburger Konfession am 25. Juni oder der Gedenktag der Apostel Petrus und Paulus am 29. Juni, im Volksmund auch „Peter und Paul“ oder „Kirschenpeter“, bei- de mit der Kirchenfarbe Rot.
Das wären doch Themen zwischen Großeltern und Enkeln! Es gibt viel zu erklären, man kann auch mit dem Smartphone nach Informationen suchen – der junge Mensch googelt, der Ältere redet. Mit Cola und Kaffee oder Fassbrause.
Der Enkel würde dann über eine Suchmaschine her- ausfinden, das unserem Quartalslied der Psalm 34 zugrunde liegt, der eine Phase aus dem Leben des Israelitenkönigs David beschreibt. David hat sich wahnsinnig gestellt, um den Philistern etwas vorzumachen. Eine spannende Geschichte. 

Mehrere andere Kirchenlieder in unserem Gesangbuch beziehen sich auf den Psalm 34, auch das könnte der Enkel mit Hilfe seines Smartphones herausbekommen, wie auch den gesamten Psalmtext... 

1. Ich will, solang ich lebe, / rühmen den Herren mein, im Herzen stets mir schwebe / das Lob der Ehren sein; mein Mund soll allezeit / des Herren Ruhm verkünden, das Elende empfinden / |: in Trübsal Trost und Freud,:| 

2. Lasst uns beisammen stehen, / ihr lieben Christenleut, des Herren Nam erhöhen / in Lieb und Einigkeit. Ich rief in meiner Not; / als in Gefahr mein Leben, den Feinden übergeben, / |: half mir der treue Gott,:| 

3. All, die im Glauben stehen, / sieht Gott in Gnaden an, lässt sie mit ihrem Flehen / zu seinem Herzen nahn. Sein Antlitz ist gericht’, / zu tilgen von der Erden all, die erfunden werden, / |:dass sie ihn fürchten nicht,:| 

4. Viel muss der G’rechte leiden, / das ist des Herren Will; doch wird’s verkehrt in Freuden / mit Gnad, drum halt nur still! Gott fasst in seine Huld / all seine treuen Knechte, die halten seine Rechte, / |:löst sie von aller Schuld,:| 

5. Ehr sei im Himmel droben / Gott Vater, Sohn und Geist. Ihn wolln wir ewig loben, / der uns sein Gnad erweist. O Herr, dreiein’ger Gott, / lass uns dein Güt empfinden und hilf uns überwinden, / |:führ uns aus aller Not,:| 

Text: Cornelius Becker 1602; Str. 5 Christhard Mahren- holz 1953, Melodie und Satz: Heinrich Schütz 1628

Diese Musik entstammt übrigens einem der meistvergessenen protestantischen Lieddichter: Cornelius Becker. Alle 150 Psalmen hat er vor 1602 vertont, der „Becker-Psalter“ wurde zu einer der frühesten lutherischen Hit-Sammlungen (und eine Reaktion auf den reformierten Genfer Psalter 1539-1551 und den katholischen Lobwasser-Psalter 1573). Die Melodien folgen dem Rhythmus-Gefühl ihrer Zeit, prominent vierstimmig gesetzt durch den Dresdner Hofkapellmeister Heinrich Schütz. Es lohnt sich, diese alten Schätze zu heben, die zwischen den (anderen) Kolossen der Liedgeschichte Martin Luther und Paul Gerhardt gern einmal übersehen werden. Und wie wir die Melodik und den Rhythmus dieser Lieder vererbt bekommen haben, ohne es immer zu wissen – probieren Sie’s aus: demnächst im Gottesdienst! 

Samuel Dobernecker & Ulrich Bauer

Musikprogramm 2019, 1. Halbjahr
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